Blumenkreuz am Ostermorgen
Weithin unbekannt ist der Brauch, zu Ostern ein Kreuz mit Blumen zu schmücken. In Loccum gehört das zur Feier der Osternacht in der Stiftskirche des Klosters.
Wenn die Osterkerze entzündet ist, das Osterevangelium erklungen ist und es hell wird in der Kirche, dann schmücken viele Hände das nackte Holzkreuz aus Birkenstämmen mit Blumen.
Der „Evangelische Pressedienst“ hat bei einem Brauchtumsforscher nachgefragt, woher dieser Brauch stammt:
Blumenkreuz als Zeichen des Sieges
Drei Fragen an den Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti
Köln, Osnabrück (epd). Der Brauch, zu Ostern ein Kreuz mit Blumen zu schmücken, ist nach Ansicht des Brauchtumsforschers Manfred Becker-Huberti auf kriegerische Auseinandersetzungen während der römischen Kaiserzeit zurückzuführen. Erstmals habe ein geschmücktes christliches Monogramm Kaiser Konstantin als Siegeszeichen gedient, erläuterte der katholische Theologe in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dieses sei später durch das Kreuz ersetzt worden.
epd: Herr Professor Becker-Huberti, woher stammt der offenbar nur in wenigen Kirchengemeinden praktizierte Brauch, zu Ostern ein Kreuz mit Blumen zu schmücken?
Manfred Becker-Huberti: Das Schmücken des Kreuzes mit Blumen zu Ostern ist wahrscheinlich auf die Schlacht an der Milvischen Brücke in Rom im Jahr 312 zurückzuführen. Kaiser Konstantin hatte die Eingebung, seine Truppen das Christusmonogramm vorwegtragen zu lassen. Dieses besteht aus den ersten beiden griechischen Buchstaben des Wortes Christos. Es wurde nach dem Kirchen Sieg mit einer Stola oder mit Blumen geschmückt. Mit der weiteren Ausbreitung des Christentums wurde das Monogramm durch das Kreuz ersetzt. Einst war das Kreuz „ein Zeichen der Schmach“
epd: Wie kam das geschmückte Kreuz dann in die Kirchengemeinden?
Becker-Huberti: Das Kreuz, ursprünglich ja ein Marterinstrument, galt zur Zeit Konstantins noch als Zeichen der Schmach. Die Christen hingegen konnten mit ihrer Ausbreitung den Menschen klar machen: Das, was ihr als Niederlage seht, die Kreuzigung Jesu Christi, ist in Wahrheit der Sieg, nämlich die Voraussetzung seiner Auferstehung.
In den Jahrhunderten danach knüpften christliche Gemeinden daran an und stellten während der Fastenzeit ein Kreuz auf, das mit einer lila Stola geschmückt wurde. „Zu Ostern wurde die lila Stola gegen eine weiße Stola oder gegen Blumen ausgetauscht.“ Auch heute noch greifen katholische wie protestantische Gemeinden punktuell diesen Brauch auf. Regionale Schwerpunkte gibt es nach meiner Beobachtung nicht.
epd: Welche Bedeutung hat das geschmückte Kreuz heute?
Das geschmückte Kreuz zeigt, dass aus dem Zeichen des Todes ein Zeichen des Lebens geworden ist. Wir leben, um zu sterben, daran kommen wir nicht vorbei. Aber ebenso gilt: Wir sterben, um zu leben. Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Anfang.
epd-Gespräch: Von Martina Schwager (epd)