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Stabwechsel im Kloster - Ralf Meister wird 65. Abt im Kloster Loccum

Mit einem festlichen Gottesdienst ist Landesbischof Ralf Meister am Samstag als neuer Abt des traditionsreichen Klosters Loccum bei Nienburg eingeführt worden. Er tritt die Nachfolge von Horst Hirschler (87) an, der das Amt 20 Jahre lang innehatte. Bei der Feier in der Klosterkirche mit Bläserklängen, Orgelstücken und A-cappella-Gesang nahm er das Abtkreuz sowie Krummstab und Abtsring als Zeichen des Amtes entgegen.

 Wegen der Corona-Pandemie war die Zahl der Festgäste auf 160 beschränkt. Unter ihnen waren auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (beide SPD) sowie Altbundespräsident Christian Wulff (CDU). Die katholischen Bischöfe Heiner Wilmer aus Hildesheim und Franz-Josef Bode aus Osnabrück beteiligten sich mit Lesungen und Gebeten an der Gestaltung der Feier. Meister war bereits im Januar vom Kloster-Konvent zu Hirschlers Nachfolger gewählt worden. Eigentlich sollte er schon im Mai eingeführt werden, die Feier wurde aber aus Gründen des Infektionsschutzes verschoben.

 Meister würdigte seinen Vorgänger Hirschler als "Baumeister des Herrn": "Wir verdanken ihm so vieles an diesem Ort." In seiner Predigt rief er zu einer Verbindung von Glauben und Vernunft auf. Dafür stehe seit Jahrhunderten das Kloster Loccum. Es komme darauf an, aus der Geschichte zu lernen, Unrecht zu erkennen und für eine bessere Welt zu arbeiten. "Vernunft ist mehr als bloße Logik", betonte der neue Abt. "Sie ist die verantwortliche Weise, mit der Welt umzugehen."   

 Ministerpräsident Weil (SPD) sagte, mit dem Ausscheiden Hirschlers aus dem Amt des Abtes gehe eine Ära zu Ende. "Eine Ära der jahrzehntelangen Arbeit an den Menschen in Niedersachsen." Hirschler verbinde profunde Bildung mit einem tiefen Glauben, großer Überzeugungskraft und einer unübersehbaren Autorität. Dabei lasse er keine Distanz zu den Menschen aufkommen, sondern bleibe nahbar. "Es sind große Spuren, die er hinterlässt."

 Das Kloster gilt als spirituelles Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der größten protestantischen Landeskirche in Deutschland. Es wurde im Jahr 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und ging um das Jahr 1600 zum evangelischen Glauben über. Seither leben keine Mönche mehr im Kloster, stattdessen werden dort Pastoren und Pastorinnen ausgebildet. Meister wird dieses Amt parallel zu seinen Aufgaben als Landesbischof in Hannover ausüben. Er wird der 65. Abt des Klosters sein und der 19. seit der Reformation.

 Der Prior des Klosters, Arend de Vries, hob bei der Feier die Verdienste des bisherigen Abtes hervor. Horst Hirschler habe sich mit Hingabe und Leidenschaft für das Kloster eingesetzt, sagte er bei der Entpflichtung: "Ihre hohe Präsenz hat das Kloster zu einem öffentlichen und offenen Ort gemacht, wo Menschen in alten Mauern und lebendig gebliebenen Traditionen Stärkung und Trost suchten und fanden." Hirschler, der von 1988 bis 1999 Landesbischof war, hatte Anfang Januar beim traditionellen Epiphanias-Empfang der hannoverschen Landeskirche in dem Kloster seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er hatte das Amt am 4. Juni 2000 von seinem inzwischen verstorbenen Vorgänger Eduard Lohse übernommen. 

 Der Abt leitet den 14-köpfigen Konvent, zu dem Theologen und Juristen gehören und der für die Geschicke des Klosters verantwortlich ist. Das Amt ist heute an eine Person geknüpft, die das bischöfliche Amt ausübt oder früher ausgeübt hat. Durch eine Verfassungsänderung, die das Kloster im August beschloss, können künftig auch Frauen in den Konvent berufen werden und somit Äbtissin werden.

 Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) gratulierte Ralf Meister zur Einführung. In Loccum vereinten sich Vergangenheit und Zukunft, schreibt die stellvertretende Leitende Bischöfin der VELKD, Kristina Kühnbaum-Schmidt aus Schwerin, in einem Brief. Meister werde das Kloster "mit geistlicher Präsenz, theologischer Klarheit und untrüglicher Intuition" auf dem Weg in die Zukunft begleiten, betonte die Bischöfin der Nordkirche. Meister ist auch Leitender Bischof der VELKD.

Das Kloster Loccum hatte auch staatsrechtlich eine wegweisende Rolle. 1955 wurde hier der bundesweit erste Staatskirchenvertrag unterzeichnet, in dem sich das Land Niedersachsen und die evangelischen Kirchen zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit im säkularen Staat verpflichteten. Seit 1950 treffen sich hier Vertreter der Landesregierung und der Kirchen jährlich am 6. Januar zum Epiphanias-Empfang. Zurzeit wird das Kloster für rund 29 Millionen Euro umgebaut, restauriert und erweitert.

vor einem Monat von Benjamin Simon-Hinkelmann

Quelle: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Der Link zum Gottesdienst

04.05.2021
Konvent des Klosters Loccum beruft zum ersten Mal eine Frau als Mitglied

Pressemitteilung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und des Klosters Loccum:


Konvent des Klosters Loccum beruft zum ersten Mal eine Frau als Mitglied 

Nach fast 900 Jahren hat der Konvent des Klosters Loccum (bei Nienburg) zum ersten Mal eine Frau als ordentliches Mitglied berufen. Dr. Adelheid Ruck-Schröder, künftige Regionalbischöfin des Sprengels Hildesheim-Göttingen und bisherige Leiterin des Predigerseminars im Kloster Loccum, gehört nun dem Leitungsgremium des ehemaligen Zisterzienserklosters an. Bisher konnten Frauen nur aufgrund ihres Amtes als Landesbischöfin oder Leiterin des Predigerseminars Konventsmitglied werden.

„Endlich! Ich freue mich sehr, dass mit Dr. Adelheid Ruck-Schröder jetzt erstmals eine Frau berufene Konventualin des Klosters Loccum ist. Mit ihrer theologischen Expertise und ihren vielfältigen Erfahrungen als Pastorin und in den letzten fünf Jahren als Studiendirektorin des Predigerseminars wird sie Konvent und Kloster wichtige Impulse geben“, sagt der Abt des Klosters Loccum, Landesbischof Ralf Meister.

Im August 2020 hatten die Konvente der beiden evangelischen Klöster Loccum und Amelungsborn (bei Holzminden) ihre Verfassungen geändert. Seither können sie auch Frauen als stimmberechtigte Mitglieder aufnehmen. Überdies können Frauen die leitenden Ämter innerhalb der Konvente als Äbtissin oder Priorin übernehmen. Der Entscheidung waren intensive theologische Beratungen vorausgegangen.

„Das Kloster Loccum ist mir in den vergangenen Jahren ans Herz gewachsen. Gerne wirke ich in einem neu aufgestellten Konvent mit, diesen wunderschönen Ort in unserer Landeskirche offen und einladend zu gestalten,“ sagt Dr. Adelheid Ruck-Schröder.

Der Personalausschuss der Landeskirche Hannovers hatte die 55-jährige Theologin im Dezember 2020 zur neuen Regionalbischöfin des Sprengels Hildesheim-Göttingen gewählt. Ruck-Schröder wuchs in Stuttgart auf, studierte Evangelische Theologie in Tübingen und Berlin und promovierte 1997 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie war als Berufsschulpfarrerin in Saarbrücken tätig sowie als Beauftragte für den Evangelischen Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen im Saarland. Von 2010 bis 2012 war sie Sprecherin für das Wort zum Sonntag in der ARD und danach Autorin und Sprecherin von Morgenandachten im NDR. Bevor sie 2015 Leiterin des Predigerseminars im Kloster Loccum wurde, war Ruck-Schröder Pastorin der Göttinger Stephanus-Gemeinde. Sie ist verheiratet mit dem Göttinger Theologieprofessor Bernd Schröder; das Paar hat zwei erwachsene Kinder.

Dem Konvent des Klosters Loccum gehören ordinierte Personen der Landeskirche Hannovers an, aufgrund des Amtes der Landesbischof oder die Landesbischöfin der Landeskirche Hannovers, ein Jurist oder eine Juristin als rechtskundiger Konventual/rechtskundige Konventualin sowie für die Dauer der Amtszeit die jeweilige Leiterin oder der Leiter des Predigerseminars. Die neue Verfassung des Klosters Loccum sieht vor, dass in Ausnahmefällen auch nicht-ordinierte Konventsmitglieder berufen werden und verdiente Persönlichkeiten zu Ehrenkonventualen bzw. Ehrenkonventualinnen ernannt werden können.

Das Kloster Loccum ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster und wurde 1163 vom thüringischen Volkenroda aus gegründet. Die Zisterzienser sind im 11. Jahrhundert als katholischer Reformorden aus dem Benediktinerorden hervorgegangen. Namensgebend war das Mutterkloster im französischen Cîteaux. Von diesem aus bildeten die Zisterzienser weitere Töchterklöster und machten vor allem im Mittelalter viele Gegenden erst urbar. Das Kloster Loccum trat 1593 der Reformation bei. Seit zwei Jahrhunderten werden im Predigerseminar, das im Kloster beheimatet ist, künftige Pastorinnen und Pastoren ausgebildet. Seit März 2014 ist das Predigerseminar die gemeinsame Ausbildungsstätte der Bremischen Evangelischen Kirche, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe.

Hannover, den 04. Mai 2021 

Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann,

Pressesprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

 

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