Ferdinand Wesling, Münchehagen
Das Kloster Loccum, ein Ort der Stille, Ruhe und Besinnlichkeit
Das Kloster wird von einer hohen und dicken Mauer umgeben. Durch ein kolossales Eingangstor gelangt man in das Klosterinnere. Beim Durchschreiten macht sich bereits ein besonderes Gefühl bemerkbar: Hier wird alles anders.
Die das Kloster umgebende hohe dicke Mauer lässt das Leben und den Lärm außerhalb des Klosters vor der Tür. Im Innenhof macht sich bereits eine wunderbare Stille bemerkbar. Hier kann man in aller Ruhe bei einem Spaziergang seinen Gedanken nachhängen oder einfach nur entspannen.
Die auf dem Klostergelände vorhandenen alten Bäume strahlen etwas Erhabenes aus. An schönen Sommertagen üben eine große Vogelschar dort ihren Gesang aus - ein Erlebnis der besonderen Art. An anderen Tagen rauscht das Blättergewand der Bäume durch den Wind - es wirkt einfach beruhigend.
Nach einem ausgiebigen Spaziergang stehen Bänke an den Klosterteichen zum Verweilen bereit. In aller Ruhe kann man hier Enten und Fischen zusehen.
Die Klosterkirche selbst mit ihrer einzigartigen Akustik und Ausgestaltung lädt zum gemeinsamen Gottesdienst mit Chorälen oder zum alleinigen Zwiegespräch ein.
Das Kloster in seiner Gesamtheit ist ein Ort, an dem Jedermann zu Ruhe und Besinnlichkeit vom stetigen hektischen Alltag kommen kann. Möge es uns noch lange erhalten bleiben.
Äbtissin Bärbel Görcke M.A., Kloster Mariensee
Ein Wort zu 850 Jahren Loccum
Was wohl den Abt bewegt hat auf dem Weg zum Kloster Mariensee? Man schreibt das Jahr 1512, und Abt Balduin soll der Wahl einer neuen Äbtissin vorstehen. Sie soll den Konvent stärken in der Liebe zum heilsamen Wechsel von Lesung, Gebet und Arbeit. Bislang war der Bischof von Minden zuständig, doch nach der Windesheimer Klosterreform hat der Zisterzienserorden die Aufsicht auch über manche Frauenklöster übernommen. Das Verhältnis der beiden Klöster war schon immer besonders gewesen: hatte man ein anderes Frauenkloster wegen Streitigkeiten letzlich sogar verlegen müssen, so gelang mit Mariensee immer wieder eine Einigung.
Lag schon etwas in der Luft von der heraufziehenden lutherischen Reformation? Verfolgte man später in Loccum und Mariensee, was in Wittenberg und Augsburg geschah? Klar ist: 1522 stellte die 1512 gewählte Äbtissin Odilie von Ahlden ein lateinisches Gebetbuch fertig. Es enthält die altkirchlichen Gebete zu den Sonntagen des Kirchenjahres, die noch heute in unseren Gottesdiensten gebetet werden.
Klar ist auch: den Weg, den Abt Balduin gegangen ist, können Sie heute wieder beschreiten - zum 800 jährigen Jubiläum unseres Klosters haben wir ihn gemeinsam als Pilgerweg wiederbelebt.
Trotz Luthers Vorbehalten gegen die Orden pflegen heute beide Klöster enge Kontakte zum Zisterzienserorden. Wie viele Konvente beten wir regelmäßig ein Gebet aus der zisterziensischen Tradition, das sich auch im Gebetbuch der Äbtissin Odilie findet [Fol 114r]:
„Herr, behüte und bewahre diesen Ort vor allen Sünden und vor aller Zwietracht. Du, Herr, der Du dieser Schar geboten hast, sich an diesem Ort zu vereinigen, auf dass Dein Heiliger Name gepriesen werde, gib Deinen Dienern und Dienerinnen Deinen heiligen Beistand vom Himmel, und gib diese Schar der Zerstreuung nicht preis - um Deines Heiligen Namens willen. Amen.“

