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Das päpstliche Siegel an der Gründungsurkunde
Das päpstliche Siegel an der Gründungsurkunde

Geschichte des Klosters Loccum

Eine noch fast mittelalterliche Klosteranlage

Das Kloster Loccum bietet das Bild eines mittelalterlichen Zisterzienserklosters, wie es sich sonst nördlich der Alpen nur noch im Kloster Maulbronn in Württemberg findet. Die heute noch sichtbaren Klostergebäude sind nach 1200 gebaut worden. Die ältesten Gebäude sind die Stiftskirche, der Kreuzgang, das Slaphus und das Laienrefektorium. Das Refektorium wurde 1599 fertiggestellt, das Konventshaus um 1750 errichtet.

Die Zehntscheune („Der Elefant“), die Pilgerscheune, die Walkmühle und weitere Wirtschaftsgebäude wurden im 13./14. Jahrhundert erbaut.

Die Zisterzienser sind ein 1098 in Citeaux/Frankreich entstandener Reformorden, der die ursprüngliche Klosterordnung Benedikts von Nursia (528) wieder zum Leuchten brachte. Der Stiftskirche aus dem 13. Jahrhundert ist die Strenge und Schlichtheit der Zister-zienser deutlich abzulesen. Die Mönche wollten - auch als Protest gegen eine sich zu prachtvoll darstellende Kirche - in Askese und Bescheidenheit außerhalb der Zentren leben und so die Nachfolge Christi in neuer Weise verwirklichen. Ihre Kirche sollte keine Kathedrale sein, sie errichteten sich ein schlichteres Bauwerk, ein Oratorium, ein Bethaus.

Wegen der unterschiedlichen geistlichen und praktischen Aufgaben gehörte zum Kloster eine klare Arbeitsteilung: Es gab die betenden Mönche, die oft Priester waren, und die Laienmönche, die für die praktischen Arbeiten zuständig waren. Deshalb war auch die Klosterkirche ursprünglich durch einen durchsichtigen Lettner getrennt. Die betenden Mönche hielten acht Stundengebete täglich. Die Andachten der Laienmönche fanden morgens, mittags und abends statt.

Aus der fast 850-jährigen Geschichte

Gegründet wurde das Kloster am 21. März 1163, dem Todestag Benedikts von Nursia, an dem Graf Wulbrand von Hallermund das Gebiet um die alte Burg Lucca mit den umliegenden Dorfschaften für ein Kloster der Zisterzienser stiftete. Drei Monate später trafen 12 junge Mönche mit ihrem Abt Ekkehard, ausgesandt vom Zisterzienserkloster Volkenroda in Thüringen, im Stiftungsgebiet ein. Das Kloster nahm seinen Anfang und fand aufgrund der Ernsthaftigkeit des geistlichen Lebens schnell Anerkennung. Die Klosterkirche konnte in den Jahren 1220 bis 1277 erbaut werden. Anfang des 14. Jahrhunderts erlangte das Kloster seine größte wirtschaftliche Kraft, 1320 wurde der Loccumer Hof in Hannover als wichtigste Niederlassung erbaut. Auf Betreiben der welfischen Landesherren nahmen Abt, Prior und Konvent 1593 das lutherische Augsburgische Bekenntnis an und wurden ein evangelisch-lutherisches, ehemaliges Zisterzienserkloster.

Weil in ein evangelisches Kloster keine Mönche mehr eintreten konnten, wurden künftige Pastoren, die auf ihre Pfarrstelle warteten, als Mönche auf Zeit aufgenommen. Daraus entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts das neue Predigerseminar für zwölf Kandidaten.

Die Klosterkirche

Im Zentrum des Klosters steht die Stiftskirche. Sie gehört in die älteste Bauperiode des Klosters und ist in ihrer ursprünglichen Gestalt durch die Jahrhunderte unverändert geblieben. Der Dachreiter der Zisterzienserkirchen soll kein hoch aufragender Turm, sondern ein Zeichen der Bescheidenheit sein.

Den Grundriss bildet ein Kreuz. Das auf einem schmalen Balken über dem Chorraum stehende Tafelkreuz von 1240 - ursprünglich stand es, beidseitig bemalt, auf dem Lettner - weist auf die Mitte des christlichen Glaubens hin. STAT CRUX DUM VOLVITUR ORBIS (das Kreuz steht, selbst wenn der Erdkreis durchdreht)  lautet einer der Leitsprüche im Kapitelsaal. Reste des Chorgestühls finden sich noch im Chorraum. Im Osten ist der Altarraum flach geschlossen. Ein großes Maßwerkfenster (neuere Darstellung der Taufe Jesu durch Johannes) gliedert die westliche Mittelschiffwand.

In den Jahren 2010 - 2012 wurde die Klosterkirche für das 850-jährige Klosterjubiläum umfassend renoviert. Der Sandstein wurde von Putz und schädlicher Farbe befreit, und viele bauliche Details sind in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt worden. Im nördlichen Seitenschiff findet sich eine neue, frei stehende Orgel der Orgelbauwerkstatt Seifert & Sohn aus Kaevelar. Im dahinter liegenden Bereich, der „Die große Freiheit“ genannt wird, fällt zuerst die alte Totenpforte der Zisterzienser auf: „Lehre uns bedenken, Herr, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“  Daneben ist das neue Auferstehungsfenster von Johannes Schreiter von 2013 eingebaut, das auf die Hoffnung über den Tod hinaus weist. Links der neue Zweitguss einer Skulptur von Werner Franzen aus dem Jahr 1987, die sich im Altenberger Dom findet, mit der legendären Szene: Christus beugt sich vom Kreuz herab und umarmt Bernhard von Clairvaux. Aber hier umarmt er zusätzlich auch Martin Luther, der Bernhards Christusfrömmigkeit sehr geachtet hat. Es ist eine ökumenische Umarmung und damit auch eine Darstellung der Geschichte des Klosters. In der angrenzenden Kapelle der alten Familie von Mandelsloh wurde ein Raum für die Heilige Schrift geschaffen, in dem die grundlegende Urkunde des Glaubens und Quelle der „großen Freiheit“ in historisch interessanten Ausgaben gezeigt wird.

Der Kreuzgang

Südlich gliedert sich das Geviert des Kreuzgangs an die Kirche an. Der Kreuzgang ist der innerste Bereich des Klosters, abgeschlossen von der Welt. Über den Kreuzgang konnten die Mönche alle für sie wichtigen Orte erreichen (Kirche, Schlafsaal, Speisesaal, Kapitelsaal, das Brunnenhaus im Innenhof, das im 19. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgerissen wurde). In der Mitte liegt der quadratische stille Innenhof, gegenüber der Tür zum Innenhof der alte Kapitelsaal. Hier versammelten sich die betenden Mönche, um anstehende Fragen zu erörtern. Es folgen die Räumlichkeiten der Bibliothek sowie das Refektorium, das 1599 als neuer Speiseraum fertigestellt wurde. Hier fanden die Gespräche zwischen den Konfessionen um 1700 statt. Seit 1952 wird das Refektorium für Empfänge der Landeskirche und des Klosters genutzt, bei denen Ministerpräsident und Landesbischof das Wort ergreifen. 1955 wurde hier der Loccumer Vertrag zwischen Landesregierung und Landeskirche unterzeichnet.

Im Erdgeschoss des Konventshauses findet sich ein Teil des ursprünglichen Laienrefektoriums. Hier war im 19. Jahrhundert der Kollegraum des Predigerseminars. Ab 1886 erhielt der Düsseldorfer Künstler Eduard von Gebhardt den Auftrag, den Raum für die Kandidaten mit biblischen Bildern auszumalen. Er verlegte die biblischen Szenen in die Landschaft um Loccum und brachte darin viele Portraits von Loccumer Bürgern unter.

Teiche und Klosterforst

Die Mönche lenkten Bäche um, legten Gräben an und stauten das Wasser in einer Abfolge von Teichen. Sie führten es in zwei getrennten Kanälen in das Klostergelände und durch Gewölbe unter den Gebäuden hindurch. Der eine Kanal wurde als Trinkwasser und für die Küche genutzt. Das Waschwasser und der Toiletten-Abfluss liefen im andern Kanal. Wasser wurde vielfältig genutzt. Es diente zum Antrieb der Maschinen in der Getreidemühle, der Gerberei, der Walkmühle, der Schmiede und anderen Gewerken. Das genutzte Wasser wurde in die Fulde geleitet. Gäste des Klosters sollten nicht vergessen, die Teiche und den Klosterforst südlich der Klostermauern zu besuchen. Heute ist es ein Landschaftsschutzgebiet, das seine Gestaltung dem Wasserbau der Zisterzienser und den Landschaftsgestaltern um 1900 verdankt.

(Weitere Literatur zu diesem Thema: Die Wasserbaukunst im Kloster Loccum - Arbeitskreis Wasserwirtschaft der Zisterzienser - Feb.2006)

Das Kloster Heute

Heute ist im Kloster Loccum das einzige Predigerseminar der Hannoverschen Landeskirche angesiedelt. Hier werden Theologinnen und Theologen nach ihrem Universitätsabschluss auf die praktischen Tätigkeiten im Pfarramt vorbereitet. Darüber hinaus werden im Kloster Einkehrtagungen angeboten. Auch kirchliche und weltliche Gruppen haben die Möglichkeit, das Kloster für eigene Tagungen zu nutzen.

Seit 2005 ist der alte 320 Kilometer lange Pilgerweg zwischen Loccum und Volkenroda neu eröffnet worden, so dass das Kloster regelmäßig von Pilgern aufgesucht wird. Seit 2013 gibt es auch den Pilgerweg zwischen Loccum und dem Tochterkloster in Reinfeld/Holstein.    

Im Jahr der 850-Jahr-Feier 2013 erscheinen Stiftskirche und Kreuzgang nach umfassenden Renovierungsarbeiten in neuem Glanz. Ein reiches Angebot an geistlichen und kulturellen Veranstaltungen empfing die Besucher.

Erleben Sie faszinierende Einblicke in das Kloster Loccum.
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oder feiern Sie mit uns jeden Abend um 18.00 Uhr die Hora (außer an Sonn- und Feiertagen).

KLOSTER LOCCUM | 31547 Rehburg-Loccum | Im Kloster 2 | Tel.: 05766 - 96 02 0 | Fax 05766 - 96 02 11 | Seite empfehlen
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