850 Jahre Kloster Loccum850 Jahre Kloster Loccum

Prof. Dr. theol. Friedrich Weber, Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig

Loccum - eine OASE

“Wenn die utopischen Oasen austrocknen, breitet sich eine Wüste von Banalität und Ratlosigkeit aus“.
Jürgen Habermas hat das 1985 gesagt. Utopische Oasen? Für mich ist die Klosterkirche Loccum eine solche Oase. Ein Ort, an dem Worte, Symbole, Rituale - Schätze des Lebens geschenkt werden, die Halt und Trost geben, die aber auch die Freude des Lebens zum Ausdruck bringen. An diesem Ort, in der Klosterkirche Loccum, wird seit vielen Jahrhunderten dieses Geschenk bewahrt. Hier haben sich Menschen versammelt, durch die Jahrhunderte bis heute, Mönche und Priester, Bäuerinnen und Soldaten, Handwerker und Industriearbeiter, Vikarinnen und Vikare, Minister und Bischöfe. In der gottesdienstlichen Feier wird der Alltagslauf unterbrochen, zur Besinnung auf den Grund des Lebens, auf das, was im Leben und im Sterben trägt, wird eingeladen. Diese Kirche ist eine Oase des Glaubens.
Das Erleben der Stille und die Erinnerung an das, was war, können auch noch heute zum geistlichen Gehalt des Kirchbaus zurückführen.
“Ecclesia materialis significat ecclesiam spiritualem“ - daß die materielle Kirche die geistliche bedeute - dem Mittelalter war das selbstverständlich. In der Anschauung der Kirche aus Stein, gewinnt der Gläubige Anteil an der geistlichen Kirche, die Kirche aus Stein wird zum Bild der Kirche Christi, in ihr wird wirklich, was bislang nur geglaubt wurde.
Ich bin jedes Mal, wenn ich in Loccum war - und meine ersten Begegnungen mit dieser wunderbaren Kirche liegen schon gut vier Jahrzehnte zurück - erfüllt von dem, was hier durch die Jahrhunderte an geistlichem und künstlerischem Leben und handwerklichem Können zusammengekommen ist.
Gott segne diesen Ort und seine Menschen.

KLOSTER LOCCUM | 31547 Rehburg-Loccum | Im Kloster 2 | Tel.: 05766 - 96 02 0 | Fax 05766 - 96 02 11
Valid XHTML 1.0 Transitional