850 Jahre Kloster Loccum850 Jahre Kloster Loccum

Klaus Funke, em. Propst und Regionaldechant der Kath. Kirche in Hannover

"Wort zum Kloster Loccum"

Mit dem Kloster Loccum verbinden mich zwei Erfahrungen:

die Begegnung mit dem Zisterzienser-Orden durch die eindrucksvolle Klosterkirche, die bis heute über alle geschichtlichen „Stürme“ und Veränderungen hinweg ihre Charakteristik als geistliches Zentrum eines Klosters behalten konnte und vom Konvent wie der Familiaritas bis in die Gegenwart mit Leben und Gebet aus dem Geist der Zisterzienser erfüllt wird;

zum anderen die lebendige und niveau-volle Gemeinschaft der Gäste beim jährlichen Neujahrsempfang der Landeskirche Hannover in den Räumen der Kloster-Bibliothek, die diesem gesellschaftlichen Ereignis eine eigene Prägung gibt. Man spürt den „Atem“ der Geschichte beim Anblick der alten Bücher, der die Redner aus Kirche und Politik bis heute noch bewegen kann.

So war und ist eine Fahrt nach Loccum für mich immer wieder eine Begegnung mit einem Ort, der von jenem Geist erfüllt ist, der „lebendig macht“ und „nicht auszulöschen ist“.

Adolf und Ingrid Droste, Loccum

Worte zum Kloster Loccum

Vieles könnte man über das Kloster und seine Bedeutung schreiben. Aber für uns als Familie ist das bedeutendste Ereignis sicher, dass sich unsere Eltern in den Klostermauern kennenlernten. Mein Vater war 1921 im Alter von 17 Jahren als Klosterdiener angestellt. Diese Anstellung war ein Glücksfall, denn er hatte einige Zeit vorher als Schmiedelehrling bei einem Arbeitsunfall ein Auge verloren und damit praktisch keine Chance mehr, eine andere Lehrstelle zu finden. Meine Mutter hingegen hatte in ihrem Heimatort Bad Oeynhausen keine Arbeitsstelle gefunden und konnte dann im Gutshaus beim Pächter Tappen 1926 „in Stellung gehen“. Und so erzählten später unsere Eltern meinen Schwestern und mir schon früh vom Kloster. Mein Vater musste die Klosterherrn, wie die Vikare früher genannt wurden, versorgen, ihnen morgens die Öfen anheizen, Waschwasser und Kaffee bringen, Schuhe putzen und zu den Mahlzeiten servieren. Als er einmal im Gutshaus Milch holen musste, begegnete er meiner Mutter in der Küche. Seit dieser Begegnung konnte er es einrichten, dass er regelmäßig Milch holen „musste“. Auch für Angestellte galten im Kloster strenge Regeln: freie Tage und Abende waren selten, alle Tore des Klosters waren nachts geschlossen. Wenn meine Eltern nachts von einem Tanzabend aus der Sperlingslust nach Hause kamen, kletterten sie am Hanns-Lilje-Weg über die Klostermauer. Nach sieben Jahren Verlobungszeit im Kloster konnten meine Eltern schließlich heiraten, da sie bei der Gemeinde Loccum für die Führung der Jugendherberge und der Wannenbadeanstalt angestellt wurden, wo sie auch eine Wohnung bekamen. Kurz darauf wurde mein Vater Gemeinderechnungsführer der damals noch selbständigen Gemeinde Loccum. Wahrscheinlich würde es unsere Familie ohne das Kloster Loccum gar nicht geben.

KLOSTER LOCCUM | 31547 Rehburg-Loccum | Im Kloster 2 | Tel.: 05766 - 96 02 0 | Fax 05766 - 96 02 11
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